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Autor Thema: LAN zu schnell für Windows...  (Gelesen 258 mal)

Mam

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LAN zu schnell für Windows...
« am: September 22, 2019, 15:37:24 »
Ich hab mal einen meiner beliebten "MAM opfert sich selbst" Tests gemacht, diesmal um rauszufinden, ob man schon bei den Arbeitsplätzen bereit für die 10Gbe (oder gar 100???) LAN Verbindung ist.

Die Kurzfassung: NEIN! Finger weg!

Windows 10 ist nicht in der Lage über eine lange Zeit / große Datenmenge einen konstanten Datenfluß zu handeln. Es wird am Ende unter Umständen sogar dramatisch langsamer, als bei 1 Gbit/s!

Sehen wir uns mal diesen Copyverlauf an:

Hier wird eine 16Gb große Videodatei (unzweifelhafter Herkunft) von einem lokalen Fileserver auf die SSD der Arbeitstation kopiert.
Wie man sieht, fängt Windows mutig an und liegt mit 1.05 Gbyte/s sehr nah am theoretisch möglichen Maximum. Aber so nach 8 Gb kommt es dann ins Wankeln, der Cache ist voll und die alte lokale SATA SSD kann diese Speed schreibend nicht verkraften. Aber die Erkenntnis reift zu spät, der Transfer bricht auf einmal brutral auf die üblichen 110Gbit/s (bekann von 1Gbe) ein, teilweise geht es sogar mal auf 0 (NULL) runter. Windows ist dabei arg am Schwitzen und erholt sich bis zum Ende des Kopiervorgangs nicht mehr.
Offensichtlich wird vorhandenes RAM vom Filecache auch im Notfall nicht angepackt, die Datei hätte sonst locker 4mal in den Speicher gepasst.

Die Servervariante von Windows kann das deutlich besser. Kopiert man in Gegenrichtung, so erreicht man zwar immer "nur" etwa 500-700 Gbit/s, aber die werden dann auch ohne große Schwankungen durchgehalten für die gesamten 16 Gigabyte. Der Filecache wächst dabei an bis auf 32Gb.

Da ist also noch einiges an Finetuning zu machen für Microsoft bevor die nächste Rechnergeneration weitere Verbreitung findet...

(ach ja, noch ein Tipp: diese LAN Karten brauchen 4 PCIe Lanes. Guckt vorher streng in das Handbuch eures Motherboards, viele haben nur kastrierte Slots. Wenn man da die Karte reinsteckt, wird die Speed der Graka sofort halbiert!)

Update: nach einigen Experimenten zeigt es sich deutlich, dass der Einfluss von Kabeln/Steckern/Dosen extrem ist, wenn man sich jehnseits der Gigabit Grenze begibt. Ich habe erstmal ein paar CAT 8.1 (25/40/100Gb) Patchkabel geordert um auf der sicheren Seite zu sein. Offensichtlich ist nicht überall, wo "CAT 7" draufsteht, auch CAT 7.x drin...

« Letzte Änderung: September 23, 2019, 11:46:55 von Mam »
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Mam

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Re: LAN zu schnell für Windows...
« Antwort #1 am: September 25, 2019, 08:30:46 »
to whom it may concern: Das Kabeldesaster bei 10Gbe ist wirklich dramatisch  >:(

Die Kurzversion: es gibt auf der ganzen Welt kein wirklich funktionierendes und normgerechtes Patchkabel!

Was man kaufen kann, sind sogenannte "Rohkabel" (steht dann auch "Rawcable" druff), die sind absolut so, wie erforderlich!
AAAAABER: es gibt keinen RJ45 Stecker, der wirklich CAT7 beherrscht!
Deshalb sind alle Verbindungen, die man mit Twisted Pair derzeit machen kann, maximal CAT6 (bis zu 5G/s).

Man hat also richtige Kabel mit falschen Steckern und das führt dann zu Übertragungsfehlern.

Bei jedem Steckerübergang addieren sich die Fehlerraten sogar, also, je mehr Stecker, desto weniger Geschwindigkeit.

Und wenn man dann noch sogar Wandinstallation mit 2 Dosen und 2 Patchkabeln macht, ist man schnell wieder auf 1G runter!

Es ist also kein Wunder, dass 10Gbe immer noch ein Nischendasein fristet und die Karten/Switches dafür teuer bleiben.

Verlässlicher Betrieb ist im Moment nur mit LWL möglich, das geht noch innerhalb des Rechnerraumes, und für Langstrecken, aber für Arbeitsplätze ist der Aufwand zu hoch und der Anschluß zu empfindlich (Stichwort: "frauentauglich").
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Re: LAN zu schnell für Windows...
« Antwort #2 am: November 03, 2019, 10:22:36 »
nicht glauben, MAM hätte aufgegeben  ;D

Ich hab die ASUS LAN Karten wieder zurückgeschickt, der Support von Amazon hat mich an den Support von ASUS weitergereicht, der hat nur mit den Achseln gezuckt, hatte absolut keinen Plan von der Materie. So hat man sich allseits geeinigt, den Kauf auch nach 4 Monaten und ohne Verpackung wieder rückgängig zu machen.

Ich habe daraufhin andere Karten geordert. UHU ("unter hundert") gibt es noch die "QNAP QXG 10GeE" Adapter, eigentlich für das NAS der Firma gedacht, aber man liefert auch einen Windows Treiber und drei verschiedene Slotbleche ("normal aka lang", "kurz aka 2U" und "flat (ohne Winkel zum Einbau ins NAS)" mit.
Installation war stressfrei, aber die Einrichtung von Windows hat so ihre Tücken.

Eigentlich wollte ich eine "Netzwerkbrücke" erzeugen mit einem normalen 1Gbe Adapter und der 10Gbe Karte. In der Hoffnung, Windows würde alles Paket brav durch- und weiterleiten und somit den Fileserver zum Miniswitch mit Geschwindigkeitsanpassung umbauen.

Die Hoffnung trog  ???
Es wird auch (manchmal, sehr oft scheitert die Einrichtung mit einem "unbekannten Fehler") eine Brücke erzeugt mit einer Gesamtbandbreite von 11Gb/s. Sie scheint auch zunächst zu funktionieren, aber dann stellen sich mystische Effekte ein. DHCP Anfragen für V6 kommen zunächst nicht durch (nach ein paar Minuten klappen sie dann doch irgendwann), Lesen von dem Fileserver geht mit voller Geschwindigkein, Schreiben leider stockend bis gar nicht... usw usw.... Da steckt also der Wurm drin (und, wie zu erwarten, no errors, no warnings).

Besser wird es erst, wenn man die Karten "richtig" einbindet, also jeder Karte ein eigenes LAN gönnt, den Fileserver zum Router macht und ihm noch einen DHCP Server verordnet, der die Klienten auf dem neuen LAN mit sinnvollen Daten versorgt. Ein DNS Server als Gateway ist Kür, es reicht auch auf die "alten" DNS Server zu verweisen, denn die Klienten können ja über den Router gehen.
Damit die Computer im neuen Segment dann auch ins Internet dürfen, muss man auch noch im alten Router (Fritzbox oder Ähnliches) eine statische Route des LANS auf den Fileserver generieren.

So ausgestattet können dann die "Abgetrennten" wie zuvor auf alle Server und das Internet zugreifen, auf den Fileserver nun aber mit vollen 10Gbit/s.

Wenn man dann eine grössere Datei durch die Gegend schickt, sieht das dann so aus:

(Der "Knick" im Transfer ist kein Fehler, da ist einfach der Ram Cache des Empfängers voll und er muss etwas auf die lahme NVMe SSD warten bis sie die Daten verdaut hat. Beim Einsatz von normalen Festplatten sind diese Zwangspausen noch viel häufiger und länger. Windows passt den Transfer offensichtlich nicht an die Schreibgeschwindigkeit der Platten an  :( )

(HEY SCHEFFE! MAN KANN KEINE BILDER MEHR HOCHLADEN!!!)
« Letzte Änderung: November 03, 2019, 10:25:28 von Mam »
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Re: LAN zu schnell für Windows...
« Antwort #3 am: November 03, 2019, 13:57:36 »
Doch, geht.

Mam

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Re: LAN zu schnell für Windows...
« Antwort #4 am: November 03, 2019, 14:18:11 »
Doch, geht.
hmm... probier...

jo, jetzt wieder. eben gabs immer so ein "Sicherheitsproblem"
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Re: LAN zu schnell für Windows...
« Antwort #5 am: November 19, 2019, 18:52:42 »
also inzwischen hat sich noch ein 8 Port 10Gbe Switch (Buffalo, bezahlbar mit ~370€) und noch ein paar QNap Karten in die Server verirrt.

Ich war allerdings gespannt, ob die alten, langen, LAN Strecken mit Dosen usw. (teilweise sogar verlängert mit Dose raus-Dose rein) der neuen Geschwindigkeit Stand hielten. Die Kabel hatte ich vor ca. 10 Jahren verlegt, da konnte man von 10Gbe nur träumen, aber es gab schon die Empfehlungen. An die hatte ich mich gehalten, und wurde nun belohnt: ALLE STRECKEN mit Cat 6a Kabeln funktionierten auf Anhieb mit voller Geschwindigkeit.

Inzwischen ist schon eine Woche vergangen, da sind schon ein paar Terrabyte über die Kabel geflossen und der Fehlerzähler steht immer noch bei NULL  ;D

(Allerdings war heute morgen der Haupt File Server "abgestürzt". Im LAN nicht erreichbar, auch kein Bild, er fuhr aber nach Druck auf den Powerknopf noch sauber runter und kam auch stressfrei (und voll funktionsfähig) wieder hoch. Keinerlei Fehlermeldung irgendwo, ich betrachte das erstmal als zufälligen Event und hoffe, dass es nicht wieder auftritt.)
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